Site Camii: Die Hauptmoschee des modernen Samsun
Im geschäftlichen und kulturellen Zentrum von Samsun, am Ufer des Schwarzen Meeres, erhebt sich eine der größten Moscheen der türkischen Schwarzmeerküste – die Site Camii, auch bekannt unter dem Namen Samsun Merkez Camii („Zentralmoschee von Samsun“). Sie wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erbaut und ist als wichtigster Versammlungsort der Stadt und zugleich als modernes architektonisches Wahrzeichen von Samsun konzipiert. Die weitläufige Kuppel, die vier schlanken Minarette und der weitläufige Innenhof mit Springbrunnen machen sie zu einem der markantesten Wahrzeichen des Stadtzentrums.
Geschichte
Die Idee, eine große Zentralmoschee für Samsun zu errichten, wurde bereits seit den 1960er Jahren diskutiert: Die Stadt wuchs rasant, die Einwohnerzahl lag bereits bei mehreren hunderttausend, und die bestehenden historischen Moscheen reichten nicht aus, um die Freitagsgebete und große religiöse Feiertage abzuhalten. Die Planung der Site Camii begann Ende der 1970er Jahre, und der Bau dauerte mehr als ein Jahrzehnt. Die Moschee wurde 1995 offiziell eröffnet. Die Architekten orientierten sich an Vorbildern der klassischen osmanischen Architektur der Sinan-Schule und verliehen dem Bauwerk eine vertraute Silhouette mit einer zentralen Kuppel und nach oben ragenden Minaretten.
Die Finanzierung des Baus erfolgte aus dem städtischen Haushalt und durch private Spenden von Gläubigen. Die Moschee bietet Platz für bis zu 6.000 Menschen – was sie zu einer der größten an der türkischen Schwarzmeerküste macht. Seit ihrer Eröffnung dient die Site Camii als Hauptmoschee der Stadt: Hier werden an großen Feiertagen Predigten gehalten und Zeremonien unter Beteiligung der Stadtverwaltung abgehalten.
Architektur und Sehenswürdigkeiten
Kuppelkomposition
Die Site Camii wurde im neo-osmanischen Stil erbaut, mit deutlichen Anlehnungen an die großen Istanbuler Moscheen des 16. Jahrhunderts. Die zentrale Kuppel mit einem Durchmesser von etwa 27 Metern ruht auf vier Pfeilern; an den Seiten befinden sich Halbkuppeln, die den zentrischen Rhythmus des Raumes unterstreichen. Der Innenraum ist geräumig und gut beleuchtet: Zahlreiche Fenster im Kuppeltrommel, in den Wänden und in den Halbkuppeln sorgen für ein sanftes, diffuses Licht.
Minarette
Die Moschee verfügt über vier Minarette, die an den Ecken des Hauptbaukörpers angeordnet sind. Sie sind spitz zulaufend und weisen jeweils drei Şerefe (Muezzin-Balkone) auf, was traditionell den Status einer zentralen Hauptmoschee unterstreicht. Die Minarette sind etwa 60 Meter hoch. Von ihren Spitzen aus las der Muezzin in der Zeit vor den elektronischen Lautsprechern den Azan; heute wird eine Lautsprecheranlage verwendet.
Mihrab, Minbar und Kalligraphie
Der Mihrab der Moschee ist aus Marmor, mit einer traditionellen spitzbogigen Nische und stalaktitartigen Mukarnas. Auch der Minbar ist aus Marmor und mit geschnitzten Paneelen verziert. Die Wände und die Kuppel sind mit kalligraphischen Kompositionen bedeckt: Es überwiegen Koranverse und die Namen Allahs, des Propheten Mohammed und der vier rechtschaffenen Kalifen. Die Kalligraphie wurde von zeitgenössischen Meistern in der Tradition der alten Istanbuler Schule ausgeführt.
Hof und Brunnen
Vor der Moschee befindet sich ein großer Innenhof mit Brunnen für die rituelle Waschung. Der Innenhof ist von einer Arkadengalerie umgeben und dient als zusätzlicher Gebetsraum während großer Feiertage, wenn der Platz im Inneren nicht ausreicht. Hier befinden sich auch die Eingänge zur Bibliothek, die Waschräume sowie ein Laden mit religiöser Literatur.
Interessante Fakten
- Die Site Camii bietet Platz für bis zu 6.000 Gläubige gleichzeitig – mehr als die meisten historischen Moscheen der Türkei.
- Die vier Minarette mit jeweils drei Şerefe sind ein traditionelles Merkmal einer sultanischen Hauptmoschee, obwohl die Site Camii in der Zeit der Republik erbaut wurde.
- Die Moschee wurde Teil der architektonischen Modernisierung von Samsun: Um sie herum entstand ein großes öffentliches Viertel mit Parks, Banken und Einkaufszentren.
- Trotz ihres modernen Alters orientiert sich die Site Camii stilistisch an den Werken Sinans – vor allem an der Şehzade- und der Sultanahmet-Moschee in Istanbul.
- Unter der Kuppel hängt ein riesiger runder Kronleuchter, der aus mehreren Reihen von Lampen in der Tradition osmanischer Moscheen besteht.
Anfahrt
Die Moschee befindet sich im Zentrum von Samsun, im Stadtteil İlkadım, nur wenige Blocks von der Schwarzmeerküste und dem Cumhuriyet-Platz entfernt. Von der Küste aus sind es etwa 10 Minuten zu Fuß. Die Stadt ist kompakt, sodass man die Moschee von jedem Punkt im Zentrum aus zu Fuß erreichen kann.
Der Flughafen Samsun-Çarşamba (SZF) liegt 25 km östlich des Stadtzentrums; die Fahrt zur Site Camii dauert 30–40 Minuten mit dem Taxi oder dem HAVAŞ-Shuttlebus. Der Bahnhof Samsun Garı liegt 2 km vom Zentrum entfernt und ist mit der Straßenbahn Samsun T1 zu erreichen.
Der öffentliche Nahverkehr in der Stadt besteht aus der Straßenbahn T1 (Haltestelle Cumhuriyet) und zahlreichen Stadtbussen. Parkmöglichkeiten rund um die Moschee sind vorhanden, können aber zu Stoßzeiten schwierig sein.
Tipps für Reisende
Die Site Camii ist eine aktive Hauptmoschee, daher beachten Sie bei Ihrem Besuch bitte die Regeln: Ziehen Sie Ihre Schuhe am Eingang aus (Regale und Tüten stehen bereit), Frauen müssen ihren Kopf mit einem Tuch bedecken, Schultern und Knie müssen bedeckt sein. Tücher werden oft am Eingang ausgegeben.
Die beste Zeit für einen Besuch ist zwischen den Gebetszeiten, vormittags an Wochentagen. Vermeiden Sie das Freitagsgebet (Cuma Namazı) und die Zeiten großer religiöser Feiertage (Ramadan-Bayram, Kurban-Bayram), da die Moschee dann überfüllt ist. Touristen haben freien Zutritt, der Eintritt ist kostenlos.
Im Inneren ist es verboten, laut zu sprechen und beim Fotografieren den Blitz zu benutzen. Besonders eindrucksvoll sind die Gesamtansichten auf den Kuppelraum und die kalligraphischen Kompositionen im Bereich unter der Kuppel. Von außen bieten sich die besten Ausblicke auf den Komplex bei Sonnenuntergang von der gegenüberliegenden Seite des Platzes.
Verbinden Sie den Besuch mit einem Spaziergang entlang der Uferpromenade von Samsun, einem Besuch des Atatürk-Museums und des Freilichtmuseums „Bandırma Vapuru“ – dem Schiff, mit dem Mustafa Kemal Atatürk am 19. Mai 1919 in Samsun ankam und damit den nationalen Befreiungskampf einleitete. Dieses Ereignis gilt als Ausgangspunkt der modernen Türkischen Republik.